Studienfahrt 2020 der CDU entlang der Oberschwäbischen Barockstraße

"Gruppenbild mit Maske" vor der Basilika in Weingarten bei Ravensburg

Bereits im Januar dieses Jahres war die Reiseplanung fertig: Oberschwäbische Barockstraße und Geniewinkel sollten die Reiseziele 2020 sein. Und dann kam Corona: Können wir als private Reisegruppe überhaupt mit einem Reisebus fahren? Können wir die Kirchen und Klöster besuchen? Gibt es Führungen?

Im Mai haben die Reiseteilnehmerinnen und –teilnehmer nochmals die Situation bewertet und entschieden: Wir fahren! Im Bus mit Maske, bei Führungen mit Abstand usw.

Am Sonntag, den 30. August ging es los, zunächst zu den Kirchen nach Zweifalten und nach Steinhausen, in die „schönste Dorfkirche der Welt“. Barock stand im Mittelpunkt der Fahrt, die Epoche im 17. Jahrhundert, nach dem Dreißigjährigen Krieg, als Zeichen der Gegenreformation und des Absolutismus, mit den opulenten, den überbordenden und verspielten Dekors, den Tausenden von Putten, die die Kirchen und Klöster entlang der heute ca. 750 km langen Ferienstraße zwischen Ulm und St. Gallen, zwischen Sigmaringen und dem österreichischen Vorarlberg bevölkern. Natürlich durfte zwischen Kunst und Religiosität eine Bierprobe beim Zwiefalter Klosterbräu nicht fehlen.

Der Montagmorgen stand im Zeichen der Natur: Bei strahlendem Sonnenschein ging es in Bad Buchau zum Weltnaturerbe Federsee und in den Wackelwald. Absolventinnen eines freiwilligen ökologischen Jahres erläuterten die Entstehung des Moores und die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt.

Ein Abstecher ins Bayrische folgte am Nachmittag, ein Besuch in der Reichskartause Buxheim. Das ehemalige Kartäuserkloster ist heute ein Museum, das einen besonderen Schatz birgt, eines der ausdrucksstärksten Chorgestühle des Barock. Es wurde von Ignaz Waibl in den Jahren 1687 bis 1691 geschaffen, im Jahre 1883 nach England versteigert, und kam 1979 wieder zurück an seinen angestammten Platz.

Der dritte Tag stand im Zeichen der zwei „O“, Ottobeuren und Ochsenhausen.
Zur der als „Schwäbisches Escorial“ bezeichneten Reichsabtei Ottobeuren der Benediktiner gehört die Basilika St. Alexander und St. Theodor, die die Gruppe besuchte.

In Ochsenhausen stand zunächst ein Rundgang auf dem Areal des ehemaligen Benediktinerklosters auf dem Programm. Und dann ließ es sich der Dekan des Landkapitels Biberach, Pfarrer Sigmund Schänzle nicht nehmen, die Gruppe persönlich in der Kirche zu führen.

Die im vergangenen Jahr von Papst Franziskus zur Basilika Minor ernannte Klosterkirche St. Georg wurde Ende des 15. Jahrhunderts im spätgotischen Stil erbaut und ab 1660 barockisiert, wobei in den Deckenfresken bereits der Übergang zum Klassizismus sichtbar wird.

16 Reliefdarstellungen schmücken die Arkadenbögen im Langhaus und im Chorraum. Sie zeigen Christus, Maria und vierzehn Apostel. Die große Besonderheit der Kirche ist dabei die Tatsache, dass die zwölf Apostel einschließlich des Judas Iskariot dargestellt werden. Seine Atribute sind Geldbeutel und Strick, aber auch er ist mit einem Heilgenschein versehen. Mit seinem gewählten Nachfolger Matthias und mit Paulus wird der Kreis der Apostel auf 14 erweitert.

In St. Georg befinden sich zwei Orgeln, darunter die berühmte Joseph Gabler-Orgel aus den Jahren 1728 bis 1734. Die Orgel verfügt über 47 Register auf vier Manualen und Pedal. Am bekanntesten sind die Vox humana, die die menschliche Stimme nachahmt, und der Kuckucksruf.

Die reichverzierte Orgel steht auf der Westempore. Es sind 2.457 Pfeifen von Joseph Gabler erhalten. Insgesamt hat das Werk heute 3.174 Pfeifen. Der Orgelbaumeister hat sich für Ochsenhausen eine liebenswerte Spielerei einfallen lassen. Sobald der Organist ein bestimmtes Register zieht, erscheint das Ochsenhausener Wappentier an der oberen Kante des mittleren Prospektes.

Kantor Thomas Fischer präsentierte die klangliche Vielfalt der Orgel im Rahmen eines kleinen Konzertes.

Immer wieder tauchten die bekannten Namen der Künstler des oberschwäbischen Barock auf: Cosmas Damian und Egid Quirin Asam, Joseph Anton und Johann Michael Feuchtmayer, Johann Michael und Johann Georg Fischer, Dominikus und Johann Baptist Zimmermann.

Frühwerke von Asam sah die Gruppe im Neuen Schloss in Kißlegg und der benachbarten Kirche St. Gallus und Ulrich, späte Meisterwerke in der im Jahre 1724 geweihten früheren Stiftskirche der Reichsabtei Weingarten. Die „Basilika“ St. Martin und Oswald ist architektonisch allerdings keine Basilika sondern eine barocke Emporenhalle. Sie birgt die Welfengruft und die bekannte Heilig-Blut-Reliquie, die Gegenstand religiöser Verehrung in ganz Oberschwaben und Mittelpunkt einer der größten Reiterprozessionen Europas ist.

Den Abschluss des vorletzten Tages bildete ein Besuch im Kloster Bad Schussenried, ehemalige Reichsabtei und Chorherrenstift der Prämonstratenser, des „Weißen und Kanonischen Ordens von Prémontré“. Der „Fliegende Pater Mohr“ begleitete die Gruppe durch das Konventgebäude mit dem Bibliothekssaal. Er ist lichtdurchflutet und gilt als spektakulärster Teil des Klosters. Er gehörte zu den reichsten und am ausführlichsten ausgestatteten Räumen des deutschsprachigen Raums im 18. Jahrhundert. Das Deckenfresko zeigt in verwirrender Fülle das Wirken der göttlichen Weisheit in Apokalypse, Wissenschaft, Bildender Kunst und Technik und belegt die Klöster als Hort der Wissenschaft.

Der letzte Tag: Der Weg führt nach Süden, in Richtung Bodensee, nach Salem. Die Reichsabtei im Linzgau war ein Kloster des Zisterzienserordens und eine der wohlhabendsten und bedeutendsten reichsunmittelbaren Abteien des Bodenseeraums. Gegründet im 12. Jahrhundert, durch einen Brand im 17. Jahrhundert fast völlig zerstört, erlebte es im 18. Jahrhundert seine zweite Blütezeit als Zentrum des Spätbarock, also des Rokoko. Der Bau der Wallfahrtskirche Birnau und die Gründung der ersten Sparkasse gehen auf die Reichsabtei (Jeru-) Salem zurück. Die weitläufige Klosteranlage ging 1802 im Rahmen der Säkularisation in den Besitz der Markgrafen von Baden über und diente als Wohnsitz der markgräflichen Familie sowie seit 1920 als Sitz des Internates Schloss Salem.

Letztes Ziel war der Geniewinkel, der Raum Meßkirch. Die Kleinstadt im Landkreis Sigmaringen ist Geburtsort und Heimatstadt von Alfred Maier, des ersten Pfarrers der Kath. Pfarrgemeinde St. Josef Blankenloch. Einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten das Grab und legten ein Blumengebinde nieder.

Die Führungen in Meßkirch hatte Dr. Armin Heim übernommen, Kulturwissenschaftler und Leiter des Museums Oberes Donautals und des Künstlerhauses Scharfes Eck in Fridingen an der Donau. Er ist ein guter Freund von Willi Isenmann, ebenfalls Teilnehmer an der Fahrt aus Weingarten/Baden und gebürtiger Meßkircher, der die Organisation im Vorfeld übernommen hatte.

Der Schwerpunkt der Führung in der Stadt und im Schloss der Grafen von Zimmern waren „die Genies“, die berühmten Töchter und Söhne der Stadt: Katharina von Zimmern, letzte Äbtissin des Fraumünsterklosters in Zürich, der namentlich nicht bekannte „Meister von Meßkirch“, Maler berühmter Werke im süddeutschen Raum, der Prediger Abraham a Santa Clara, der Komponist Conradin Kreutzer, Conrad Gröber, Erzbischof von Freiburg bis 1948 und schließlich der Philosoph Martin Heidegger.

Am Donnerstagabend kam die Gruppe trotz Corona wieder wohlbehalten in Stutensee an. Und man verabredete sich, im nächsten Jahr erneut auf „große Fahrt“ zu gehen - notfalls wieder mit Mund- und Nasenschutz. Und ein Ziel wurde auch schon ins Visier genommen: Der Niederrhein mit Aachen und Xanten.


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